Kantholz ist der klassische Sammelbegriff für rechteckiges Bauschnittholz ohne besondere Veredelung. Konstruktionsvollholz (KVH) ist technisch getrocknetes, festigkeitssortiertes und keilgezinktes Vollholz mit geschützter Produktbezeichnung – maßhaltiger und wohngesünder als einfaches Kantholz. Leimbinder (Brettschichtholz, BSH) bestehen aus mehreren faserparallel verleimten Brettlamellen und erreichen die höchste Tragfähigkeit und Formstabilität der drei Varianten. Für die meisten privaten Bauvorhaben wie Carports oder Pergolen reicht Kantholz oder KVH aus dem elka-Sägewerk völlig aus, während Leimbinder erst bei großen Spannweiten ihren Mehrwert ausspielen.
Kantholz: der klassische Sammelbegriff
Kantholz bezeichnet zunächst nur die Form: ein Schnittholz mit rechtwinkligen Kanten und einer Dicke von mindestens 60 mm, dessen Breite höchstens das Dreifache der Dicke beträgt. Es handelt sich um klassisches Bauschnittholz, das direkt aus dem Sägewerk kommt und in der Regel weder festigkeitssortiert noch technisch getrocknet ist. Kantholz ist damit die günstigste, aber auch am wenigsten veredelte Variante der drei Bauholzarten – für tragende Zwecke ist eine ausreichende Trocknung auf maximal 20 % Holzfeuchte und eine Sortierung nach DIN 4074 dennoch zwingend erforderlich.
KVH: veredeltes, maßhaltiges Konstruktionsholz
Konstruktionsvollholz (KVH) ist eine geschützte Produktbezeichnung für technisch getrocknetes (auf etwa 15 % ± 3 % Holzfeuchte), nach Festigkeit sortiertes und in der Länge keilgezinktes Vollholz. Der Einschnitt erfolgt „herzgetrennt“ – die Markröhre wird geteilt oder entfernt, was das Risiko von Verkrümmung, Rissen und Verdrehung deutlich reduziert. Durch die geringe Restfeuchte kommt KVH ohne chemischen Holzschutz aus und zählt damit zu den wohngesunden Baustoffen. Es wird zwischen KVH für den sichtbaren Bereich (Si, gehobelt und gefast) und für den nicht sichtbaren Bereich (NSi, egalisiert und gefast) unterschieden. Dank der Keilzinkung sind auch große Längen bis 15 Meter am Stück verfügbar.
Leimbinder (BSH): maximale Tragfähigkeit durch Verleimung
Leimbinder – fachlich als Brettschichtholz (BSH) bezeichnet – bestehen aus mindestens drei faserparallel miteinander verklebten, technisch getrockneten Brettlamellen. Die einzelnen Bretter werden zunächst in Längsrichtung keilgezinkt und anschließend zu einem massiven Querschnitt verleimt. Dieser Schichtaufbau macht BSH deutlich formstabiler und tragfähiger als KVH – besonders bei großen Spannweiten zwischen den Stützelementen ist das relevant. Der Aufpreis gegenüber KVH liegt je nach Querschnitt üblicherweise bei etwa 25–50 %. BSH wird nach Festigkeitsklasse unterschieden: Standard ist GL 24h, für höhere Lasten sind auch GL 28h oder GL 32h erhältlich.
Vergleichstabelle: Kantholz, KVH und Leimbinder
| Kriterium | Kantholz | KVH | Leimbinder (BSH) |
|---|---|---|---|
| Aufbau | Massives Schnittholz, unveredelt | Massives Vollholz, keilgezinkt | Mehrere verleimte Brettlamellen |
| Holzfeuchte | Bis zu 20 % | Ca. 15 % ± 3 % | Ca. 15 % ± 3 % |
| Formstabilität | Gering bis mittel | Gut | Sehr gut, praktisch verzugsfrei |
| Tragfähigkeit | Mittel | Gut | Sehr hoch |
| Max. Länge | Begrenzt (Stammlänge) | Bis 15 m (keilgezinkt) | Nahezu unbegrenzt |
| Wohngesundheit | Materialabhängig | Sehr gut (kein chemischer Holzschutz nötig) | Gut |
| Preis | Günstig | Mittel | Höher (+25–50 % ggü. KVH) |
| Typischer Einsatz | Einfache Konstruktionen, Verpackung | Pfosten, Sparren, Ständerwerk | Große Spannweiten, Hauptträger, Pfetten |
Welches Bauholz für welches Vorhaben?
- Pergola, Carport, Gartenhaus im kleineren Maßstab: KVH bildet meist das komplette Grundgerüst – Pfosten, Pfetten und Sparren lassen sich vollständig aus KVH realisieren, solange die Spannweite überschaubar bleibt.
- Große Spannweiten über ca. 4 Meter, eingedeckte Dächer: Hier kommt BSH als Hauptpfette oder Hauptträger ins Spiel, während die übrigen Bauteile weiterhin aus KVH bestehen können – so zahlt man den BSH-Aufpreis nur dort, wo er sich wirklich lohnt.
- Einfache, nicht tragende Konstruktionen ohne hohe Maßhaltigkeitsanforderung: klassisches Kantholz aus dem Sägewerk ist hier die wirtschaftlichste Lösung.
- Sichtbare Dachstühle und Holzbauelemente mit Wohngesundheitsanspruch: KVH-Si, da wohngesund und optisch ansprechend zugleich.
Häufige Fragen zu Kantholz, KVH und Leimbinder
Ist KVH automatisch tragfähiger als einfaches Kantholz? Nicht zwangsläufig in der reinen Tragfähigkeit, aber KVH ist durch Trocknung, Sortierung und Keilzinkung deutlich maßhaltiger und formstabiler – Eigenschaften, die für eine verlässliche, langfristig verzugsarme Konstruktion entscheidend sind.
Kann man KVH und Leimbinder in einem Bauprojekt kombinieren? Ja, das ist in der Praxis sogar üblich. Ein typischer Carport etwa nutzt KVH für Stützen und Sparren und einen BSH-Leimbinder als Hauptpfette, um nur an der statisch kritischen Stelle in die höhere Tragfähigkeit zu investieren.
Warum sollte ich für tragende Bauteile nicht einfach normales Kantholz verwenden? Unveredeltes Kantholz kann höhere Restfeuchte aufweisen und ist nicht standardmäßig nach Festigkeit sortiert. Für tragende und aussteifende Zwecke ist eine Sortierung nach DIN 4074 sowie eine maximale Holzfeuchte von 20 % ohnehin zwingend vorgeschrieben.
Zusammenfassung
Kantholz, KVH und Leimbinder unterscheiden sich vor allem im Veredelungsgrad: vom unbehandelten Sägewerksprodukt über das technisch getrocknete, keilgezinkte KVH bis zum hochbelastbaren, mehrlagig verleimten BSH. Für die meisten privaten Bauvorhaben ist KVH aus dem elka-Sägewerk die richtige Wahl – bei großen Spannweiten lohnt sich der gezielte Einsatz von Leimbindern an den statisch entscheidenden Stellen.

